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SAP Projektmanagement: Wie sich Chaos beim Go-Live verhindern lässt

SAP Projektmanagement

Digitalisierung ist selten ein einzelnes IT-Projekt. In der Praxis bedeutet sie meist: Prozesse werden neu gedacht, Daten müssen konsistent werden, Systeme werden integriert, Rollen verändern sich – und nebenbei läuft das Tagesgeschäft weiter. 

Genau deshalb ist Projektmanagement in Digitalisierungsprojekten nicht „nice to have“, sondern das Element, das aus vielen parallelen Baustellen ein steuerbares Vorhaben macht. Gutes Projektmanagement sorgt dafür, dass alle Beteiligten dieselbe Richtung kennen, Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden und Risiken nicht erst dann auffallen, wenn sie bereits teuer sind. Vor allem aber schafft es eine Arbeitsweise, in der Teams Schritt für Schritt zu belastbaren Ergebnissen kommen – egal ob es um ERP, SAP, CRM, DMS, Schnittstellen oder End-to-End-Prozessketten geht.

In vielen Unternehmen entsteht der Eindruck, Projektmanagement sei vor allem dafür da, Termine zu planen und Aufgaben zu verteilen. Das reicht vielleicht bei kleineren Vorhaben, bei denen der Lösungsweg klar ist. In Digitalisierungsprojekten ist das anders: Der Weg wird oft erst während der Umsetzung wirklich sichtbar, weil Anforderungen reifen, Abhängigkeiten auftauchen und sich Prioritäten im Geschäft verändern.

Projektmanagement braucht hier einen klaren Fokus: weniger „alles von Anfang an perfekt definieren“, mehr „einen stabilen Rahmen schaffen, in dem sich das Projekt kontrolliert entwickeln kann“. Dieser Rahmen besteht aus klaren Zielen, sauberen Entscheidungswegen, echter Transparenz und einem Umgang mit Änderungen, der nicht jede Woche das Projekt neu erfindet.

Fehler im Projektmanagement sind bittere Realität. Unser Erfahrungsbericht mit dem Maschinenbauingenieur Sebastian Steinweg  zeigt, wie ein SAP Projekt trotz intensiver Vorbereitung beim Endspurt ins Stocken gerät. Ursachen in diesem Fall waren Probleme beim Change Management und fehlende Praxisnähe. Und das ist kein Einzelfall: Laut Bitkom e.V. hat jedes zweite Unternehmen Schwierigkeiten  bei der Digitalisierung. 

Wenn Projektmanagement gut aufgesetzt ist, entsteht ein wichtiges Gefühl: Wir wissen, was als Nächstes zählt – und wir wissen, wie wir mit Problemen umgehen. Genau diese Stabilität ist in Transformationsphasen oft der größte Produktivitätshebel.

Viele Teams investieren viel Energie in Pläne, Templates und Tools – und wundern sich trotzdem, dass das Projekt hektisch bleibt. Der Grund ist meist nicht fehlende Fleißarbeit, sondern ein fehlendes System.

Ein stabiles Projektmanagement-System beantwortet zuverlässig dieselben Fragen, Woche für Woche:

Was wollen wir erreichen – und warum?

    Ein Projekt braucht mehr als eine Feature-Liste. Es braucht ein Zielbild, das im Alltag Orientierung gibt. Gerade bei ERP– oder Prozessprojekten ist das Zielbild am besten, wenn es sich nicht nur auf „Go-live am Datum X“ reduziert, sondern Nutzen beschreibt: bessere Datenqualität, geringere Durchlaufzeiten, weniger Medienbrüche, sauberere Verantwortlichkeiten oder verlässlicheres Reporting. Ein klares Zielbild ist auch die Grundlage, um später „Nein“ zu Zusatzwünschen zu sagen, die zwar gut klingen, aber den Fokus zerstören.

    Was gehört wirklich zum Scope – und was nicht?

    Digitalprojekte scheitern selten an fehlenden Ideen, sondern an zu vielen gleichzeitig. Projektmanagement wird stabil, wenn der Scope nicht nur Prioritäten umfasst, sondern bewusst Grenzen setzt. Dazu gehört auch, Erwartungen testbar zu formulieren: Nicht „Prozess optimieren“, sondern „Bestellprozess so umstellen, dass Freigabenregel X eingehalten wird und Lieferantenstammdaten konsistent sind“. Je konkreter und prüfbarer, desto weniger Reibung später.

    Wie treffen wir Entscheidungen – und wie halten wir sie fest?

    Ein unterschätzter Erfolgsfaktor im Projektmanagement ist die Entscheidungsklarheit. Nicht jede Entscheidung braucht ein Gremium, aber jede Entscheidung braucht einen Owner und eine Dokumentation, die später auffindbar ist. Das verhindert die typische Projekt-Schleife: „Das hatten wir doch schon entschieden… oder?“ Ein kleines, gepflegtes Decision Log spart im Verlauf oft mehr Zeit als jedes zusätzliche Tool.

    Wie bleiben Risiken, Abhängigkeiten und Änderungen steuerbar?

    In Digitalisierungsprojekten ist Veränderung normal. Projektmanagement wird nicht dadurch gut, dass es Änderungen verhindert – sondern dadurch, dass es sie kontrolliert. Ein sauberer Änderungsprozess wirkt wie ein Filter: Was ist die Auswirkung auf Zeit, Budget, Qualität und Betrieb? Was verschieben wir dafür? Wer entscheidet final? Ohne diese Logik entstehen stille Scope-Ausweitungen, die sich erst sehr spät bemerkbar machen – meistens dann, wenn Test, Datenmigration oder Cutover ohnehin schon unter Druck stehen.

    Wie sichern wir Qualität, bevor sie teuer wird?

    Testen ist keine Phase am Ende, sondern eine fortlaufende Absicherung. Projektmanagement sollte Qualität deshalb früh definieren: Was bedeutet „fertig“? Welche Abnahmekriterien gelten pro Prozess? Wie stellen wir sicher, dass Ergebnisse nicht nur im Workshop funktionieren, sondern im Alltag? Diese Fragen wirken am Anfang manchmal theoretisch – sie sind später der Unterschied zwischen ruhigem Go-live und hektischem Nachbessern.

    Projektmanagement zeigt seine Qualität nicht im Kick-off, sondern im Alltag. In der Umsetzung entsteht schnell ein Muster: Viele Themen sind gleichzeitig offen, einzelne Workstreams hängen voneinander ab, und es gibt ein natürliches Spannungsfeld zwischen Geschwindigkeit und Sorgfalt.

    Genau hier hilft eine klare Taktung. Nicht als Meeting-Marathon, sondern als Rhythmus, der Verlässlichkeit schafft. Ein wöchentlicher Status funktioniert dann gut, wenn er nicht „Berichtswesen“ ist, sondern konsequent drei Dinge liefert: Was ist seit letzter Woche wirklich fertig geworden? Was blockiert? Welche Entscheidungen brauchen wir bis wann? Wenn diese drei Fragen gut beantwortet werden, entstehen automatisch bessere Prioritäten.

    Zusätzlich lohnt sich ein regelmäßiges fachliches Review (zum Beispiel alle zwei Wochen), in dem Ergebnisse sichtbar gemacht werden. Gerade bei Prozess- und Systemthemen reduziert das Missverständnisse: Statt über Interpretationen zu diskutieren, sieht man konkrete Abläufe, Masken, Reports oder Schnittstellenflüsse. Das ist im Projektmanagement eine der effizientesten Methoden, um Qualität und Erwartungsmanagement zusammenzubringen.

    Und schließlich braucht es – je nach Projektgröße – eine monatliche Steuerung auf Management-Ebene, die nicht jedes Detail diskutiert, sondern auf Kurs hält: Risiken, Budget, Scope, kritische Entscheidungen. Wenn Projektmanagement diese Ebenen sauber verbindet, entsteht im Projekt eine seltene, aber sehr wertvolle Situation: Operative Teams können arbeiten, weil Entscheidungen planbar sind – und das Management behält Überblick, ohne Mikromanagement.

    Johannes Gorzawski

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    Die Frage „klassisch oder agil?“ ist in Digitalisierungsprojekten oft zu grob. In der Realität haben ERP- und Prozessvorhaben Bereiche, die eher planbar sind (z. B. technische Leitplanken, Berechtigungen, Cutover-Logik), und Bereiche, die von iterativem Lernen profitieren (z. B. Reports, Automatisierungen, Teilprozesse, Benutzerführung).

    Ein hybrides Projektmanagement kombiniert deshalb häufig das Beste aus beiden Welten: feste Meilensteine, klare Governance und Abnahme – und innerhalb dieser Leitplanken iterative Umsetzung in kurzen Zyklen. Wichtig ist dabei weniger die Methode als die Konsequenz: Transparenz über Prioritäten, klare Definition von „fertig“ und ein Umgang mit Änderungen, der nicht „alles jederzeit“ erlaubt, sondern bewusst steuert.

    Infografik zum Projektmanagement – Rollen im SAP Projekt wie Projektleiter, Change Manager, Key User und externe Berater
    potential analysis

    Starkes Risikomanagement dank starker Projektleitung

    Wackeliges Projektmanagement erkennt man selten an einem einzelnen großen Fehler, sondern an wiederkehrenden Mustern. Ein häufiges Signal ist, dass Prioritäten sich laufend ändern, ohne dass klar ist, welche Entscheidung dahintersteht.

    Folgende Stolpersteine, sehen wir in Digitalisierungsprojekten besonders oft – und so vermeiden wir sie:

    1. Zu viele Ziele gleichzeitig
      → Zielbild schärfen, MVP definieren, konsequent priorisieren.
    2. Unklarer Scope („Das machen wir später auch noch schnell“)
      → Scope schriftlich fixieren, Changes nur über Prozess.
    3. Daten werden zu spät ernst genommen
      → Datenverantwortung + Migrationsplan ab Woche 1.
    4. Fortschritt ist nicht messbar
      → „Definition of Done“ + prüfbare Deliverables.
    5. Meetings ohne Entscheidungen
      → Entscheidungsfragen vorab, Decision Log, klare Owner.
    6. Testing wird als Endphase geplant
      → Teststrategie früh, Testfälle parallel zur Umsetzung.
    7. Abhängigkeiten bleiben unsichtbar
      → Schnittstellen, Daten, Berechtigungen, Schulung als Pflichtpunkte im Plan.
    8. Übergabe in den Betrieb wird unterschätzt
      → Hypercare als eigenes Arbeitspaket mit Exit-Kriterien.

    Unser Fazit

    Projektmanagement ist in Digitalisierungsprojekten kein Selbstzweck. Es ist der Mechanismus, der Komplexität in Steuerbarkeit übersetzt: Ziele werden greifbar, Fortschritt wird sichtbar, Entscheidungen werden möglich, Änderungen werden kontrolliert – und das Unternehmen behält die Fähigkeit, neben dem Projekt weiter zu funktionieren.

    Wenn du gerade vor einem größeren Digitalisierungsvorhaben stehst oder bereits mittendrin bist, lohnt sich manchmal ein neutraler Blick auf das Projektmanagement-Setup. Nicht als „Audit“, sondern als pragmatisches Sparring: Wo sind eure größten Risiken? Wo fehlen Entscheidungswege? Wo droht stille Scope-Ausweitung? Oft reichen wenige Stellschrauben, um das Projekt deutlich stabiler zu machen.

    FAQ

    Was genau ist Projektmanagement?


    Projektmanagement ist die strukturierte Planung und Steuerung eines Vorhabens – inklusive Zielen, Scope, Zeit, Budget, Qualität, Risiken, Kommunikation und Abnahme.

    Woran erkenne ich, dass unser Projektmanagement zu schwach ist?


    Typische Hinweise: viele offene Baustellen ohne klare Priorität, wiederkehrende Diskussionen, fehlende Entscheidungen, späte Überraschungen in Tests und wenig Transparenz darüber, was wirklich fertig ist.

    Welche Projektmanagement-Methode ist am besten für mich geeignet?


    Die beste Methode ist die, die zu eurer Projektrealität passt. In Digitalisierungsprojekten ist ein hybrider Ansatz häufig praktikabel: klare Meilensteine und Governance, kombiniert mit iterativen Lieferzyklen.

    Brauche ich spezielle Tools für gutes Projektmanagement?


    Tools helfen, aber sie ersetzen kein System. Entscheidend sind klare Regeln: wo ist der aktuelle Stand, wie werden Entscheidungen dokumentiert, wie laufen Änderungen und wie wird Fortschritt gemessen.

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